Als Fan der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist mir eine ganzheitliche Sichtweise auf den Körper besonders wichtig. Ein Konzept, das in der TCM häufig thematisiert wird und das mich unglaublich fasziniert, ist die Organuhr. Was es mit der Organuhr auf sich hat und wie wir körperliche Beschwerden anhand unseres Schlafs ausfindig machen können, zeige ich dir in diesem Beitrag.

Organuhr: Definition & Funktionsweise

Wie bereits erwähnt, stammt das Konzept der Organuhr aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die chinesischen Therapeuten erkannten bereits vor vielen Tausend Jahren, dass jedes unserer Organe bestimmte Arbeits- und Ruhephasen hat. Dadurch zeigen sich körperliche Beschwerden oder sogar Krankheitsbilder zu bestimmten Uhrzeiten.

Das kann beispielsweise auch dazu führen, dass wir nachts zu einer bestimmten Zeit wach werden – und das vielleicht jede Nacht aufs Neue. Der Grund dafür ist, dass zu dieser Zeit ein bestimmtes Organ tätig wird und uns ein Mangel oder ein körperliches Problem aufgezeigt wird. In der TCM gibt es sogar den Ansatz, Krankheiten vorzubeugen, indem man den eigenen Alltag nach der Organuhr ausrichtet.

Die TCM teilt die Energie des Körpers in Leitbahnen ein, sogenannte Meridiane, die unseren Körper durchlaufen. Demnach gibt es 12 Hauptmeridiane, die je einem Organ zugeordnet werden. Vielleicht kennst du die Meridiane schon aus der Akupunktur, die nach dem gleichen Prinzip funktioniert und die verschiedenen Organe durch Nadeln auf den Meridianen triggert.

Wenn die Meridiane jedoch blockiert sind, kann auch die Energie nicht richtig in das Organ fließen, was Beschwerden oder sogar Krankheiten verursachen kann.

Wie hängen nun die Meridiane und die Organuhr zusammen?

In der TCM sagt man, dass unser Körper sich alle zwei Stunden auf ein bestimmtes Organ fokussiert. Das bedeutet, dass im Zweistundentakt ein anderer Meridian aktiv ist, der die Energie in diesem Zeitraum verstärkt in das betreffende Organ leitet. Wenn wir wissen, wann diese Zeiten sind und welches Organ zu welcher Uhrzeit aktiv oder ruhend ist, können wir unseren Körper besser verstehen und unterstützen.

Wann sind die Arbeits- und Ruhephasen unserer Organe?

Wie bereits erwähnt, zeigt die Organuhr an, wann die Arbeits- bzw. Ruhephasen unserer Organe sind. Nach der TCM lässt sich besonders in den aktiven Phasen der Organe auf diese einwirken. Im Folgenden stelle ich dir deshalb vor, was die Phasen für unsere Organe bedeuten und gebe dir Tipps, wie du in den unterschiedlichen Zeitfenstern deinen Körper unterstützen kannst.

TCM-Organuhr

Die Leber in der Organuhr: 1 bis 3 Uhr nachts

Beginnen wir mit dem ersten Zeitfenster des Tages, zwischen 1 und 3 Uhr nachts. In dieser Zeit wird unsere Leber verstärkt mit Energie versorgt, wodurch sie entgiften kann. Normalerweise schlafen wir zu dieser Uhrzeit, sodass die Energie auch in das Organ fließen kann. Das ist wichtig, da der Prozess viel Kraft erfordert.

Wie du die Leber unterstützen kannst: Um dem Körper die Ruhe zu schenken, die er für die Entgiftung der Leber benötigt, solltest du ausreichend früh schlafen oder zumindest keine anstrengenden Tätigkeiten mehr ausüben. Am besten beginnst du um etwa 22.30 Uhr damit, deinem Körper die nötige Entspannung zu geben. Du solltest zu später Stunde außerdem nichts mehr essen oder gar Alkohol trinken. Auch Elektrosmog von Handy, Laptop und TV solltest du meiden oder zumindest die Bildschirmhelligkeit reduzieren. Zusätzlich kannst du das Licht in deinem Zuhause dimmen, um dem Körper Ruhe zu signalisieren.

Ruhephase: Dünndarm

Die Lunge in der Organuhr: 3 bis 5 Uhr nachts

Auch die Lunge reinigt und entgiftet sich täglich, nämlich zwischen 3 und 5 Uhr nachts am stärksten.

Wie du die Lunge unterstützen kannst: Frische Luft hilft dem Organ dabei, sich zu reinigen. Deshalb ist es hilfreich, nachts das Fenster geöffnet oder gekippt zu lassen. Falls du das nicht möchtest oder kannst, solltest du zumindest vor dem Schlafengehen ausreichend lüften.

Während die Lunge arbeitet, ist die Blase hingegen in ihrer Ruhephase. Damit du nicht aufwachst und zur Toilette musst, solltest du kurz bevor du ins Bett gehst, nicht mehr zu viel Flüssigkeit zu dir nehmen. Nur dann kann die Blase auch wirklich entspannen.

Ruhephase: Blase

Der Dickdarm in der Organuhr: 5 bis 7 Uhr morgens

Die meisten Menschen stehen wahrscheinlich um diese Uhrzeit auf. Hier beginnt der Körper damit, Cortisol auszuschütten, was uns wach macht. Der Körper kommt in Schwung und so auch der Darm, der sich um diese Uhrzeit reinigt.

Wie du den Darm unterstützen kannst: Trinke ein Glas lauwarmes Wasser mit Zitronensaft, um die Verdauung anzuregen. Da sich deine Nieren allerdings noch in ihrer Ruhephase befinden, solltest du es mit der Flüssigkeitszufuhr nicht übertreiben, um die Nieren noch zu schonen.

Ruhephase: Nieren

Der Magen in der Organuhr: 7 bis 9 Uhr morgens

Am Morgen beginnt dann ab etwa 7 Uhr die Arbeitsphase des Magens. Er ist nun bereit, die erste Nahrung aufzunehmen, damit der Körper mit Nährstoffen versorgt wird. Die TCM empfiehlt, morgens etwas Warmes zu essen. Das ist besonders schonend und regt die Verdauung auf natürliche Weise an.

Wie du den Magen unterstützen kannst: Ich esse gerne ein warmes Haferporridge mit Beeren und Zimt. Das ist nicht nur wohltuend durch die leichte Wärme, sondern stabilisiert durch den Zimt nebenbei den Blutzuckerspiegel. Ein Rezept findest du dazu zum Beispiel in meinem neuen eBook Zyklusfood!

Ruhephase: Kreislauf

Die Milz in der Organuhr: 9 bis 11 Uhr vormittags

Zur Vormittagszeit arbeiten die meisten Menschen, denn hier können wir uns am besten konzentrieren. Grund dafür ist der Energieproduzent unseres Körpers: die Milz. Sie sorgt dafür, dass der Körper mit ausreichend weißen Blutkörperchen versorgt wird, wodurch unsere Immunabwehr und der Energiehaushalt angekurbelt werden.

Wie du die Milz unterstützen kannst: Lege wichtige Termine oder anstrengende Aufgaben auf die Zeit zwischen 9 und 11 Uhr vormittags. So arbeitest du am effektivsten und profitierst von dem hohen Energielevel.

Ruhephase: Dreifacher Erwärmer

Das Herz in der Organuhr: 11 bis 13 Uhr mittags

Einer der 12 Meridiane ist der Herzmeridian. Er kontrolliert unseren Kreislauf und sorgt für ein emotionales Gleichgewicht. Deshalb sollte man sich in der aktiven Zeit des Herzens, also zur Mittagszeit, um das eigene emotionale Befinden sorgen.

Wie du das Herz unterstützen kannst: Vielleicht tut dir ein Mittagessen mit einer Freundin oder einem Freund gut. Genauso kannst du dich aber auch bei einem Spaziergang vom Vormittag erholen und deine Akkus in der Natur aufladen. Ganz egal, was es ist: Hauptsache es tut dir gut!

Ruhephase: Gallenblase

Da sich gleichzeitig deine Gallenblase in ihrer Ruhezeit befindet, solltest du sie nicht zu sehr beanspruchen. Das bedeutet, fettiges Essen (vor allem auf Transfette) und Stress zu vermeiden.

Der Dünndarm in der Organuhr: 13 bis 15 Uhr nachmittags

Sicherlich kennst du das Mittagstief, das gerne mal ab 13 Uhr eintritt. Der Darm hingegen ist in dieser Ruhezeit besonders aktiv und regeneriert sich.

Wie du den Dünndarm unterstützen kannst: Damit der Dünndarm die Verdauung und Verwertung der Nährstoffe ausüben kann, solltest du dem Körper Ruhe gönnen. Ein kurzer Mittagsschlaf zum Beispiel ist besonders gut, damit der Dünndarm der Reinigung nachgehen kann.

Ruhephase: Leber

Da gleichzeitig die Ruhephase der Leber stattfindet, solltest du zusätzlich darauf achten, das Organ zu schonen. Das bedeutet, auf Medikamente oder Alkohol zur Nachmittagszeit zu verzichten.

Die Blase in der Organuhr: 15 bis 17 Uhr nachmittags

Gegen 15 Uhr erholt sich der Körper vom Mittagstief und kommt so langsam wieder in seine Leistungsfähigkeit. Auch die Konzentrationsstärke nimmt wieder zu, das bedeutet, wir können wieder effektiver arbeiten. Währenddessen ist die Blase aktiv, das bedeutet, sie entwässert stärker.

Wie du die Blase unterstützen kannst: Damit dein Körper nicht nur Flüssigkeit über die Blase verliert, sondern weiterhin hydriert bleibt, solltest du auf ausreichendes Trinken achten. Am besten verwerten kann dein Körper stilles Wasser oder milden Tee.

Ruhephase: Lunge

Die Nieren in der Organuhr: 17 bis 19 Uhr abends

Die Nieren sind nach der TCM für unseren Energiehaushalt und die Sexualfunktion zuständig. In ihrer aktiven Zeit ab 17 Uhr fährt unser Körper sein Pensum langsam herunter, um sich auf den Schlaf vorzubereiten. Wenn unsere Nieren zu dieser Zeit mit zu wenig Energie versorgt werden, können wir Beschwerden wie Schlafstörungen erleiden.

Wie du deine Nieren unterstützen kannst: Damit es nicht zu Einschlafproblemen kommt, solltest du darauf achten, gegen Abend dein Aktivitätslevel herunterzuschrauben. Das heißt, statt Arbeit solltest du dich der Entspannung widmen. Das kann ein kleiner Spaziergang sein, Yoga, Mediation oder vielleicht ein heißes Bad.

Ruhephase: Dickdarm

Der Kreislauf in der Organuhr: 19 bis 21 Uhr abends

In der TCM versteht man unter Kreislauf vor allem den Puls und den Blutdruck. Zwischen 19 und 21 Uhr abends erhalten beide die komplette Energie, um den Kreislauf zu regulieren. Ein stabiler Kreislauf ist wichtig, um das Herz vor negativen Einflüssen zu schützen.

Wie du den Kreislauf unterstützen kannst: Das Herz ist hier buchstäblich im Fokus – denn es ist Zeit für Herzensangelegenheiten. Das kann zum Beispiel Zeit mit Freunden oder Zweisamkeit sein, denn auch die Libido ist in dieser Phase stärker ausgeprägt.

Ruhephase: Magen

Der Magen hingegen hat zu dieser Abendzeit seine Ruhephase, weshalb du am besten das Abendessen noch vor 19 Uhr zu dir nehmen solltest.

Der Dreifache Erwärmer in der Organuhr: 21 bis 23 Uhr nachts

Der Dreifache Erwärmer ist selbst kein eigenes Organ, sondern er beschreibt einen Prozess im Körper, ähnlich wie unser Kreislauf. Der Dreifache Erwärmer reguliert laut TCM das Nervensystem und wirkt somit indirekt auf alle Organe ein. Er sorgt dafür, dass die Organfunktionen in Balance gehalten werden.

Wie du den Dreifachen Erwärmer unterstützen kannst: Zwischen 21 und 23 Uhr schüttet der Körper Melatonin aus. Das ist das Schlafhormon, das den Körper entspannen und seine Akkus aufladen lässt. Damit das Hormon aber wirklich produziert wird, benötigt dein Körper absolute Ruhe. Das bedeutet, das Licht zu dimmen und elektronische Geräte nicht mehr zu konsumieren. Bei der Entspannung unterstützen kann dich beispielsweise auch ein ätherisches Öl wie Lavendel.

Ruhephase: Milz

Die Gallenblase in der Organuhr: 23 bis 1 Uhr nachts

Die Gallenblase unterstützt die Leber bei ihrer Entgiftung. Zu dieser Uhrzeit ist die Leistungsfähigkeit des Körpers am Tiefpunkt, weshalb du normalerweise hier schlafen und deinem Körper Ruhe gönnen solltest. So kann die Galle sich optimal vorbereiten, zu späterer Stunde der Leber zu helfen.

Wie du die Gallenblase unterstützen kannst: Achte auf ausreichenden Schlaf und eine Umgebung, in der du zur Ruhe kommen kannst. Richte dein Schlafzimmer so ein, dass es deine Entspannung fördert. Das heißt zum Beispiel, dass du für genug frische Luft und Ordnung sorgen solltest.

Ruhephase: Herz

Wie nutzt man die Organuhr?

Ich habe schon oft körperliche Beschwerden an mir festgestellt, bei denen ich meine Vermutung dann über die Organuhr bestärken konnte. Wenn ich nachts häufig zur gleichen Zeit aufwache, werfe ich regelmäßig einen Blick auf die Aktivitätszeiten der Organe. Dann kann ich sehen, ob ich richtig liege.

Durch dieses Wissen kann ich dann meinen Körper und die Organe entsprechend entlasten und gezielt gegen meine Beschwerden wirken. Das ersetzt natürlich nicht den Gang zum Arzt, wenn wirklich ein ernstes Problem hinter deinen Beschwerden steckt! Höre hier bitte gut auf einen Körper und dein Befinden und hole dir, wenn nötig, medizinische Unterstützung hinzu.

Wenn du das Konzept der Organuhr für dich nutzen möchtest, kannst du auch gerne deinen Alltag daran ausrichten, um mit statt gegen deine Organe zu arbeiten. Beispielsweise kannst du deine wichtigen Termine so organisieren, dass sie zwischen 9 und 11 Uhr morgens liegen, denn dort hast du die höchste Konzentration und Denkfähigkeit. Wenn die Niere gegen Abend hingegen deinen Energiehaushalt reguliert, kannst du super Yoga oder Mediations-Übungen zwischen 17 und 19 Uhr einlegen.

Fazit: Die Organuhr hilft uns, den Körper zu verstehen

Wenn wir wissen, wann die Aktivitäts- und Ruhephasen unserer Organe stattfinden, können wir unseren Körper besser verstehen. Eine Schlafanalyse hilft dabei, herauszufinden, was unseren Körper belastet oder wo du ihn unterstützen kannst. Wachst du beispielsweise oft nachts auf, immer um die etwa gleiche Uhrzeit? Schaue in meiner Übersicht nach, welches Organ dafür verantwortlich sein kann: Welches Organ hat nach der Organuhr seine Arbeitsphase um diese Uhrzeit? Die Organuhr gibt dir so Aufschluss, ob Gallenblase, Leber, Lunge, Dickdarm oder vielleicht der Magen für deine Beschwerden verantwortlich sein kann.

Konntest du deine Beschwerden auch schon anhand der Organuhr ausmachen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Fühl dich umarmt,

deine Sina ♡